Eine Reportage von Daniel Nide

Daniel Nide begleitete den langjährigen Busfahrer Feri bei einigen seiner Touren durch die Straßen Hamburgs. Immer gehetzt von der ablaufenden Uhr, die die Verspätung anzeigt, gestresst vom Feierabendverkehr oder einfach nur der Einsamkeit überdrüssig, die der Beruf mit sich bringt.

Feri ist 56 Jahre, seit 24 Jahren Busfahrer und lebt seit 29 Jahren in Hamburg:
Vor etwa 12 Jahren steigt ein etwa 2 Meter großer, kurz geschorener Bodybuilder Typ ohne eine Begrüßung in einen Bus und setzt sich direkt vorne zu Feri.

Früher mussten die Busfahrer um die Türen zu schließen an eine Art „Hebel“ ziehen. Wenn sie diesen Hebel nicht weit genug zogen, schlossen die Türen nicht ordentlich und gingen wieder auf.

Nun sitzt dieser Bodybuilder Typ, der bestimmt fast jeden mit nur einem Schlag ins Krankenhaus versetzen könnte vorne beim Busfahrer. Dieser will die Türen schließen, zieht den Hebel aber nicht weit genug, sodass die Türen wieder aufgehen. Er dreht sich zum Bodybuilder-Stiernacken-Typen um und sagt ihm, im sachlichen, nüchternen Ton, er solle doch bitte seine Füße beim Türen schließen hoch nehmen, die seien neu und noch nicht „eingespielt“. Der große Mann guckt leicht skeptisch, also zieht seine Mundwinkel leicht nach unten, aber vielleicht auch nur um sein Wundern über diese Technik zum Ausdruck zu bringen. Und dann hebt er ohne Weiteres seine Füße. Unser Busfahrer zieht nun so doll er kann an dem Hebel, denn jetzt müssen sie ja unbedingt schließen.

Klack, die Türen gehen zu, geschafft.

Oh, schreck! Da fällt unserem Busfahrer auf, dass er dieses Spiel nun bis der Fahrgast aussteigt weiter spielen muss, da er diesem Streich ja sonst auf die Schliche kommen würde. Nächste Haltestelle, Türen gehen auf, er will sie wieder schließen, blickt aber rechtzeitig zum kurzhaarigen, großen Mann, der seine Füße noch nicht gehoben hat, und räuspert sich. Für einen kurzen Moment treffen sich ihre Blicke, der Mann hebt seine Füße. Unser Busfahrer zieht den Hebel wieder so doll er kann.

Klack, die Türen gehen zu, geschafft.
Dieses Spiel geht nun ganze fünf Stationen bis zur Endstation so weiter, sodass der großgewachsene, stämmige Kerl bei den letzten Stationen seine Füße ohne einen Kommentar, ohne eine Aufforderung, ohne auch nur eines Blickes anstandslos hebt. Als er endlich aussteigen will, sagt unser Busfahrer, „tschüss und danke fürs mitmachen.“ Die Antwort: „Gerne, kein Problem.“

 

 

 

 

  • Fotograf Daniel Nide
  • Jahr 2015
  • Ort Hamburg
  • Fotografen-Homepage